Jo Bro…

… hast du immer gesagt, wenn du mich mal lachend, mal gähnend, mal fröhlich, mal auf dem Sprung oder auch öfter mal essend am Telefon begrüßt hast.

Geliebter Bruder,

ich kann meine Gedanken und die vielen Erinnerungen noch gar nicht richtig ordnen. Mir fällt es schwer zu schreiben: „wir waren Brüder“, deshalb möchte ich schreiben: Wir SIND Brüder, die wohl unterschiedlicher nicht sein können und doch verbindet uns so viel.

Ich teile mit dir die schönsten Erinnerungen aus unseren Kindertagen. Ich war als Kind so froh, nicht so lange im Hort bleiben zu müssen, weil du, mein großer Bruder, schon zu Hause warst und auf mich aufgepasst hat. Du hast mich mehr als einmal geärgert (was haben wir uns gezofft – ich war wohl nicht immer ganz unschuldig), doch du warst immer für mich da, wenn ich meinen großen Bruder wirklich gebraucht habe. Als wir älter wurden, wurden die Streitereien weniger und wir haben uns gegen unsere Eltern verbündet. Mit wem mache ich denn jetzt Witze über die Beiden?

Wir konnten auch als Kinder so viel Mist zusammen machen. Burgen bauen, Piraten spielen oder die Musik aufdrehen, singend und tanzend durch die Wohnung stürmen. Ich erinnere mich an dein lautes, so wunderbar herrliches Lachen, wenn du Garfield im Auto auf dem Weg nach Dänemark gelesen hast. Du hast immer so viel gelesen und auch selbst geschrieben. Als Kind habe ich deine Texte nicht verstanden und sie leider erst jetzt wiederentdeckt.

Als du später angefangen hast, Football zu spielen, haben wir versucht, so viele Spiele wie möglich zu sehen und dich anzufeuern. Papas Anfeuerungs-Rufe: „Hau ihn um“, schallen immer noch durch mein Ohr. Dein Strahlen bei eurem ersten Sieg als Jugendmannschaft, werde ich nie vergessen. Als du nicht mehr spielen konntest und dafür die kleinen Kiddis trainiert hast, war ich so stolz auf dich, das habe ich dir leider viel zu selten gesagt.

Ich bin so froh, dass wir auch ohne uns täglich oder wöchentlich anzurufen oder zu sehen, ein tolles Verhältnis hatten. Wenn zwischen unseren Ellis und Dir dicke Luft war, konnten wir beide immer miteinander quatschen und die Wogen glätten. Ich vermisse dein Lachen und deine Freude, wenn du mir von etwas erzählt hast, von dem du richtig begeistert warst, egal ob es ein Projekt wie das Yaam, ein Football-Spiel oder einfach ein Song war.

Es gibt einfach so viele Erinnerungen und Gedanken, ich kann sie gar nicht alle in Worte fassen. Es bleiben aber so viele Fragen offen.

Wer macht unser traditionelles Familienfoto vor dem Weihnachtsbaum und beim Weihnachtsessen? An wem kann ich jetzt den Verlauf meiner Geheimratsecken voraussehen? Wer isst viel zu viel Ente von Oma und liegt dann faul auf der Couch? Wer gibt mir die neuesten Musiktipps aus dem hippen Berlin? Wer schaut mit uns die besten Steven Seagal Filme? Wer füllt die Lücke in unserem alljährlichen Oster-Gruppenfoto nach Alter und Größe sortiert?

Du fehlst mir. Du fehlst uns.

Bitte spiel mit Opa Schach, da wo du jetzt bist. Das hat euch beiden immer Spaß gemacht.

Ich hab dich lieb, dein kleiner Bro

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